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Historische Spuren an der Grenze zu Deutschland und Polen


„Historische Spuren an der Grenze zu Deutschland und Polen- Die Festung Küstrin und die Mühle von Slonsk als Beispiel deutsch- polnischer Zusammenarbeit“ – unter diesem Namen nahm der Leistungskurs Geschichte und die Klasse 7Ga an einer zweitätigen Exkursion in das Grenzgebiet teil, um sich an dessen abwechslungsreiche Geschichte zu erinnern. Die Exkursion begann nach zweistündiger Busfahrt mit bestem Wetter und einem noch besseren Essen in unserer Unterbringung in Slonsk. Den Nachmittag nutzten wir dann mit einem Rundgang durch die Ruinen der im 16. Jahrhundert erbauten Festung Küstrin. Nachdem diese im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde, blickt man nun in dunkle Kellergewölbe und auf alte Gebäudefundamente. Aufgrund von Bildern und den anschaulichen Erzählungen eines Zeitzeugen, Bewohner des damals noch nicht zerstörten Küstrins, kann man nur erahnen, wie das Leben in der Festung ausgesehen haben muss. Das zwischen den Ruinen liegende Museum, welches uns gerade durch die vielen Fundstücke beeindruckte, erzählt dann noch einmal die einzigartige Geschichte der Festung.

Der nächste Teil der Exkursion machte die Inhalte unzähliger Geschichtsbücher für uns plötzlich erschreckend real. Wir erkundeten das Gelände des Konzentrationslagers Sonnenburg. Das ehemalige Zuchthaus diente zu Zeiten des Nationalsozialismus als Arbeitslager für politische Häftlinge, die hier unter schlimmsten Bedingungen lebten, weshalb das Konzentrationslager auch unter dem Namen „Folterkammer“ bekannt war. Doch vor allem das Massaker in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945 macht diesen Ort auf eine grauenvolle Art und Weise berühmt. Hier wurden, als die sowjetischen Truppen heranrückten, 819 Häftlinge innerhalb von wenigen Stunden erschossen. Noch heute sieht man die Einschusslöcher in der Gefängnismauer. An der Stelle zu stehen, an der sich ehemals Leichen häuften, rief bei uns vor allem Fassungslosigkeit hervor, Unverständnis über die Beweggründe zu solchen Taten und Entsetzen über diese Grausamkeit. In Gedenken an die vielen Opfer schrieben wir Namen auf schwarze Bögen und wurden mit diesen vor dem Gesicht, an der besagten Mauer stehend, fotografiert, um zu verdeutlichen, dass keines der Opfer in Vergessenheit geraten wird. Die Besichtigung der Gedenkstätte verstärkte genau diese Aussage. Das eindrucksvoll gestaltete Museum mit unzähligen Bildern und Briefen von Häftlingen bewegte uns alle und gab die Möglichkeit sich an die vielen Schicksale und Leben zu erinnern, das Leid dieser Menschen zu verinnerlichen. Das vor dem Museum errichtete Denkmal vermittelt auf eine schlichte, aber aussagekräftige Weise noch einmal genau diese Tatsache- dass man den Toten, der Ermordeten gedenkt. Nach einem Spaziergang durch Slonsk ging es, bereichert durch viele neue Eindrücke, dann zum Abendessen in unserer Unterkunft (in diesem Sinne ein Lob an die polnische Küche!). Danach ließen wir den Tag am Lagerfeuer ausklingen, mit polnischer und deutscher Musik- und John Denver, denn der ist schließlich überall bekannt.

Der nächste Tag begann wieder mit hervorragendem Wetter und Frühstück. Den Vormittag nutzten wir, um die Mühle von Slonsk zu erkunden. Diese ist die letzte vorhandene Wassermühle in Slonsk und erzählt eine spannende Geschichte, mal in deutschen, mal in polnischen Händen. Da sie noch heute voll funktionstüchtig und in ihrem originalen Zustand erhalten ist, befanden wir uns plötzlich nicht mehr nur in einem Museum, sondern in einer laufenden Mühle, in der man die großen Walzen rotieren sehen konnte. Ein polnischer Bewohner des Dorfes, der ehemals das Brot aus der Mühle für seine Verlobte gekauft hatte, führte uns durch die verschiedenen Etagen und Abteile der Mühle und erweckte diese mit seinen Erzählungen wieder zum Leben.

Nach dem Mittagessen wanderten wir durch das einzigartige Naturschutzgebiet in Slonsk mit seiner unverwechselbaren Landschaft und besonderen Tierarten. Nun ging es mit dem Bus zurück nach Berlin, mit vielen tollen Erfahrungen, besonderen Eindrücken und schönen Bekanntschaften. Es lässt sich noch sagen, dass die Exkursion rundum ein voller Erfolg war. Und wir werden uns noch lange daran erinnern- ans Erinnern.

Franziska Larscheid, 2. Semester




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